Am Vulkan

Nach Fogo geht man, um den Vulkan zu sehen, den Pico de Fogo. Ein 2829 Meter hoher eindrücklicher Kegel, der sich in einer Senke neu aufbaut, die ein älterer Vulkan nach seinem Kollaps hinterlassen hatte. Der sich neu bildende Pico füllte die Senke mit Asche und Lapilli und verwandelte sie in eine fruchtbare Hochebene, die schon lange Zeit landwirtschaftlich genutzt und besiedelt wird.

Der Pico ist nicht ständig aktiv wie etwa der Stromboli. Er steht aber unter Beobachtung, denn mit gewisser Regelmässigkeit bricht er aus. So leider auch gerade letztes Jahr. An einer Flanke des Hauptkegels öffnete sich ein Nebenkrater, aus dem sich ein langsamer Lavastrom wälzte, der die bestehenden Felder weitgehend unter sich begrub. Die Menschen konnten sich in Sicherheit bringen, mussten aber ihr Hab und Gut zurücklassen.

In einer zweiten Eruption trat dann flüssigere Lava aus, die die Poren der ersten Lavaschicht schnell ausfüllte, in die Häuser eindrang und die letzte Hoffnung auf eine sofortige Rückkehr in die Chã das Caldeiras buchstäblich wegschmolz.

Aber die Menschen hier sind zäh. Sobald die Lava erkaltet war, wurden neue Zufahrtswege gesucht, wurden neue Felder angelegt und neue Häuser errichtet. Dieses Wochenende, nicht ganz ein Jahr nach der Katastrophe, nimmt auch das Casa Marisa seinen Betrieb wieder auf. Mustafa erzählt uns, wie er zusehen musste, wie die Lava die zwei Hotels erdrückte, die er und seine Frau Marisa hier oben geführt hatten. Umso bewundernswerter ist der Wille der beiden, hier oben nochmals neu anzufangen.

Auch die Landwirtschaft kommt wieder in Schwung. Zwar sind grosse Teile der Caldera in den nächsten Jahren nicht nutzbar, aber auf den vom Lavastrom versehrten Flächen grünt es. Die Ernte dieses Jahr ist gut. Der Vulkanboden ist fruchtbar und dieses Jahr fällt aussergewöhnlich viel Regen.

Ach ja: regelmässige LeserInnen dieses Blogs wissen es. Wir und Berge, das ist keine Erfolgsstory. Tatsächlich war die Anfahrt am Mittwoch noch von Sonnenschein begleitet, mit Blick auf den Vulkan. Sobald wir das Casa Marisa erreichten, änderte sich auch das Wetter. Zuerst kam der Nebel, dann die Wolken, dann der Regen. Jedes Mal, wenn wir loszottelten, um die Umgebung zu erkunden, kam ein Regenguss und wir mussten aufgeben. Den vier Franzosen, die mit uns hochgekommen waren, ging es gleich.

Am Donnerstag dann das gleiche Bild. Die Franzosen nahmen den Pico in Angriff, uns war es zu wolkig und zu nass. Wir nutzten am Nachmittag eine kurze Aufhellung, um den 2014-Krater zu besteigen. Tatsächlich hielt sich das Wetter bis genau zu jenem Zeitpunkt, an dem wir den Krater erreichten. Da regnete es aus Kübeln und die wilden Wolkenschwaden gaben der Sache eine recht bedrohliche und wilde Atmosphäre. Es schien, als ob uns der Vulkan zeigen wollte, dass man jederzeit wieder mit ihm rechnen muss.

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