Bewegte Zeiten
In den letzten Tage war viel los in der (IT-)Welt. Steve Jobs ist gestorben. Ein neues iPhone ist geboren und Facebook beschäftigt mich momentan jeden Tag aufs Neue. Aber wie lange noch?
Steve Jobs ist nicht mehr. Ein Verlust. Aber was soll man über einen Menschen schreiben, den man nur aus den Medien kennt? Genau das haben selbige ja zu Genüge getan, sodass ich mich beschränken kann: Er wird bei Apple weiterleben und ich werde mit Apple weiterleben.
Dann das neue iPhone. Alle sind enttäuscht. Ich nicht. Ein gutes Stück Technik ist massiv besser geworden und bietet etwas völlig Neues: Siri. Das muss ich ausprobieren und ich werde erst dann enttäuscht sein, wenn Siri nicht funktioniert. Ansonsten kam von Apple genau das, was ich erwartet habe, Evolution statt Revolution. Und all die 20min-Leser, die laut aufgeschrien haben, können von mir aus gerne ins Android-Lager wechseln. Dort gibts jeden Tag grössere Bildschirme, schnellere Prozessoren und ganz viel Software zum Schrauben und Tüfteln. Da können sie sich ja selbst ein iPhone 5 zusammenbasteln.
Und dann gibts da noch was zu erzählen. Bei Facebook ist im Moment der Teufel los. Jeden Tag erwarten einem neue kryptische Meldungen über neue Funktionen und neue Designs. Tatsächlich beeilen sich die Facebooker, möglichst schnell alle Google+ Ideen einzubauen. Circles werden zu Listen, für den Videochat hat man schnell Skype eingebaut, man kann nun auch Leuten folgend, mit denen man nicht befreundet ist und so weiter und so fort. Ich hab völlig den Überblick verloren. Beziehungsweise: den hatte ich ja eigentlich gar nie. Denn im Unterschied zu Google+ sind die Privatsphären-Einstellungen bei FB seit jeher unverständlich und undurchschaubar. Der Aufwand für mich als FB-User wird dabei immer grösser. Nicht nur, dass ich bei jeder Änderung wieder in meinem Konto nachschauen muss, wo es noch ein tückisches Häckchen zu entfernen gilt. Nun entscheidet FB für mich auch noch, was wichtige und was unwichtige Meldungen sind und platziert diese in zwei Streams. Und ich hab schon den Unterschied zwischen normalen und neuen Meldungen nie begriffen. Wenn ich ein Status-Update mache, dann muss ich jetzt auch noch entscheiden, wer das alles sehen soll.
Dann die Ankündigung von Timeline und von OpenGraph. Geht es nach FB, soll unsereins in Zukunft sein gesamtes Leben im Internet abbilden. Was ich esse, was ich höre, was ich sehe, was ich tue, wen ich getroffen habe, in wen ich mich verliebt habe, wer gerade gestorben ist. Das alles kann man in Zukunft in meiner persönlichen FB-Zeitung nachblättern. Und dabei hilft mir FB, indem es bei diversen Online-Diensten, die ich gerne und täglich benutze, von sich aus die Infos abholt.
Ich persönlich stehe der ganzen Privatsphärendiskussion relativ offen gegenüber. Ich betrachte Google Streeview mehr als Segen, denn als Ärger. Ich habe eine Cumulus-Karte und sammle Coop-Superpunkte. Und bis zu einem gewissen Grad ist es mir schnurz, wer im Internet welche Daten von mir speichert, solange ich das bewusst selbst bestimmen kann und solange ich dafür eine Gegenleistung bekomme, die mir weiterhilft. Ich mag es, wenn Amazon mir weitere Bücher vorschlägt, ich liebe es, wenn ich bei Google all die tollen Dienste gratis nutzen kann und könnte nicht mehr ohne mein iPhone leben, das gerne (und mit meiner Zustimmung) meine Ortsdaten an die SBB, an die Berner Verkehrsbetriebe oder an Local.ch weitergibt.
Nun scheint die Zukunft aber so auszusehen, dass ich das nicht mehr selbst in der Hand habe, wer was von mir weiss. FB (und andere) werden sich die Daten holen, wo sie die Möglichkeit bekommen. Und damit dies nicht geschieht, muss ich immer und überall die versteckten Häckchen suchen und abwählen, die dem munteren Datenaustausch zustimmen. Davor graust es mir. Ich möchte, dass die Grundeinstellung im Internet diejenige bleibt, dass Daten nicht einfach weitergegeben werden. Ich will gefragt werden. FB fragt nicht. Hat noch nie gefragt. Die neuen Funktionen werden einfach aufgeschaltet. Und ich werde wahrscheinlich bald abschalten.
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