Café de Colombia

Auf einer Reise findet man immer wieder Plätzchen, wo es einfach schön ist. So ein Ort ist die Hacienda Venecia in Manizales. Das Beste daran: hier kommt der Kaffee direkt vom Feld in die Tasse.

Die Hacienda Venecia ist eine für kolumbianische Verhältnisse schon recht stattliche Kaffee-Farm etwas südlich von Manizales. Wie auf vielen der hiesigen Kaffee-Fincas kann man hier übernachten und alles über die Kaffeeproduktion lernen.

Die Finca besteht aus dem Casa Principal und einigen Nebengebäuden. Wir haben unser Zimmer im Haupthaus und fühlen uns sofort wie (reiche) Kaffeeproduzenten. Rund um das Haus führt eine offene Terrasse, die mit bequemen Sesseln, Hängematten und diversen sonstigen Sitzgelegenheiten bestückt ist. Wir werden verwöhnt mit frischen Snacks und Früchten. Vor dem Haus würde ein Pool warten – das Wetter schreit allerdings nicht unbedingt nach einem Bad.

In der tollen Gartenanlage rund um das Haus stolzieren Pfaue herum und lassen sich diverse Vögel beobachten. Zu Essenszeiten trifft man sich in der offenen Küche und lässt sich von den beiden Köchinnen verwöhnen. Am ersten Abend sind wir die einzigen Gäste und wir geniessen die Stille. Am zweiten Tag kommen dann weitere Gäste, am dritten gar das Fernsehen. Das trübt die andächtige Stimmung ein wenig :-)

Die Hacienda bietet diverse Möglichkeiten, die Welt des Kaffees zu entdecken. Zum einen gibt es eine Kaffeetour, bei der wir alle Verarbeitungsschritte vom Anpflanzen, Ernten, Sortieren, Trocknen bis hin zum Rösten kennenlernen. Dazu gibts viele Informationen zur Geschichte und Verbreitung der Arabica-Bohne, die in Kolumbien ausschliesslich kultiviert wird.

Am Nachmittag vertiefen wir unser Wissen dann in einem Barista-Kurs. Wir schnuppern an diversen Aromen und versuchen, diese in verschiedenen Kaffeemischungen wieder zu finden. Keine leichte Sache, denn Aromen wie „gekochtes Fleisch“, „Gummi“ oder „Tabak“ sind wahrlich eher schwer aus der Tasse zu riechen. Dann lernen wir, wie ein Kaffee seine Charakteristik beim blossen Aufbrühen verändert. Und dann nochmals beim Umrühren. Und erst, wenn man eine Kaffeemischung auf verschiedene Arten zubereitet. Uns schmeckt zwar der klassische Espresso (wohl aus Gewohnheit) immer noch am besten. Beeindruckend ist aber auch die japanische Siphon-Methode oder das klassische Filtern – was allerdings etwas mehr Fachwissen voraussetzt als es die alte Melitta-Kaffeemaschine wohl innehatte. Kurzum: Die Welt des Kaffees ist komplex, braucht viel Wissen und eine gute Nase.

Letztlich ist es aber wie beim Wein: entweder es schmeckt oder es schmeckt nicht. Und auf unserer Reise durch Kolumbien haben wir bisher wahrlich schon das ganze Spektrum vorgesetzt bekommen :-) Die teils eher zweifelhafte Qualität des Kaffees mag hier allerdings auch daher kommen, dass die besten Bohnen allesamt für den Export bestimmt sind. Seit Jahren wird in Kolumbien selbst nur die zweite Qualität verkauft. Das ändert sich zwar langsam, aber eben: es braucht seine Zeit.

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