Chaitén

In den letzten 3 Tagen hat sich unser Auto bewähren müssen. Sintflutartige Regenfälle und löchrige Schotterpisten machten unsere Fahrt von Puerto Montt nach Chaitén ziemlich abenteuerlich.
Doch der Reihe nach. Nachdem wir den Beginn der Woche in einer lieblichen Ecke der Chiloé-Insel verbrachten, sind wir gestern von Puerto Montt auf der Carretera Austral südwärts gestartet. Die Carretera ist quasi das chilenische Pendant zur Panamericana – eine 1350 Kilometer lange Nord-Süd-Verbindung, deren Bau unter Dem Diktator Pinochet gestartet wurde. Ein Riesenprojekt, für welches Tausende von Strafgefangenen schuften mussten. Nicht die ganze Strecke kann dabei im Auto zurückgelegt werden. In den zahlreichen Fjorden müssen Fähren die Autos übernehmen. So gibt es auch zwischen Puerto Montt und Chaitén, unserem Ziel, zwei Fährstrecken.
Die erste Etappe am Mittwoch verlief planmässig bei heiterem Sonnenschein. Gestern dann der Wetterwechsel: es goss aus Kübeln. Wir fuhren in Hualaihué auf die Fähre und verzogen uns an die Wärme im Salon. Von der Fahrt haben wir hinter den beschlagenen Scheiben kaum was mitbekommen. Nach rund 3 Stunden wurden wir wieder an Land gelassen. Von da an ging’s auf einer durchlöcherten Schotterpiste durch den chilenischen Urwald. Schön in der Kolonne, denn natürlich musste da die ganze Fährladung den gleichen Weg nehmen.
Nach rund 10 Kilometern stand der ganze Tross dann wieder am Wasser. Eine weitere – etwas kleinere Fähre stand bereit und wurde beladen. Auto um Auto, bis noch etwa 10 Wagen dastanden – inklusive unserem. Die Fähre tutete 3 Mal – und weg war sie.
So standen wir also da, im strömendem Regen, und warteten. Nach rund einer Stunde kam dann auch tatsächlich eine zweite Fähre und sammelte uns noch ein. Inzwischen war es Abend, wir hatten langsam Hunger. Im Auto wurde es langsam frisch und es hörte nicht auf zu regnen. Eine weitere Stunde später fuhren wir wieder an Land und begaben uns erneut auf die Schotterpiste. Das nächste Dorf – unser Ziel Chaitén – lag noch rund 60 km entfernt.
Hab ich schon erwähnt, dass es regnete? Links und rechts und auf der Schotterpiste muntere Bächlein, auf der Piste viele gefüllte Schlaglöcher. Und von oben stetiger Regen und langsam auch Dunkelheit. Die Piste führte weiter durch den Urwald hindurch, an Vulkanen vorbei, von denen wir wieder mal absolut nichts mitbekommen haben. Ein Teilstück führte durch jene Schneise, die 2009 bei einem Kurzen Hustenanfall des Vulkans Chaitén entstand – im Scheinwerferlicht und durch den Regen ein groteskes Bild.
Um 22 Uhr trafen wir dann wohlbehalten in Chaitén ein, erwischten mit Glück noch eine Unterkunft und belohnten uns mit einem guten Essen. Und wir dankten unserem Auto, das uns letztlich sehr komfortabel durch diesen Tag getragen hatte.
Heute dann ein etwas freundlicherer Tag. Die Sonne vertrieb die Wolken und wir nutzten die Gelegenheit, um nochmals ein paar Kilometer zurückzufahren und uns die Gegend bei Tageslicht anzuschauen. Beeindruckend, welche Schneise der Vulkanausbruch vor 5 Jahren hinterlassen hat. Wohlgemerkt „nur“ durch Ascheregen und Erdbeben, verbunden mit Erdrutschen. Lava kam keine raus. Die toten, weissen Bäume stehen noch da und werden nun von der kräftigen grünen Urwaldvegetation wieder überwachsen. Der See sieht bei Sonnenschein wunderbar friedlich aus und der Vulkan pufft und dampft über uns harmlos vor sich hin. Kurzum: ein Tag, der uns wieder milde stimmte :-)

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