Pinienwälder

Für die letzten gemeinsamen Tage in Argentinien haben wir uns noch ein Zückerchen ausgesucht. Wir besuchen Regi, eine Kanti-Kollegin von Paola. Regi ist vor Jahren nach Argentinien ausgewandert und hat hier eine Lodge aufgezogen. Die Irupé-Lodge (www.ibera-argentina.com) befindet sich ganz im Norden Argentiniens in einem riesigen Sumpfgebiet, ähnlich dem brasilianischen Pantanal. Hier geniessen wir noch ein paar ruhige Tage und lassen uns zu Fuss, zu Ross oder zu Boot die örtliche Flora und Fauna zeigen.

Der Weg zur Lodge führt uns ein kurzes argentinisches Stückchen entlang von Eukalyptus- und Pinienwäldern zur Laguna Ibéra. „Argentinisch“ heisst: Vier Stunden Piste, die von den intensiven Regenfällen der letzten Tage total aufgeweicht und eher schwierig zu befahren ist. Aber: unser Fahrer hat das prima im Griff und wir können entspannt unseren Gedanken nachhängen.

Vor dem Autofenster ziehen endlose Pinienplantagen vorbei. Diese Gegend von Argentinien lebt von der Viehzucht, vom Mate-Anbau und eben vom Pinienholz. Nachdem das Vieh die gesamte ursprüngliche Vegetation abgefressen hatte und fast alle Primärwälder gerodet waren, wurden Pinien angepflanzt. In Reih und Glied stehen sie da. Dicht an dicht wachsen die Bäume schnell und gerade in die Höhe. Nach 15 bis 20 Jahren können sie gefällt werden. Das Holz kann zu guten Preisen verkauft werden, eignet es sich doch hervorragend als Bauholz oder zur Herstellung von Möbeln.

Eine praktische Sache. Man pflanzt an und wartet. Das Holz verspricht guten Profit und gibt nicht viel zu tun. Auf den ersten Blick sind die Wälder auch für die Landschaft gut. Sie halten den Wind ab und stabilisieren den Boden. Die rote Erde hier ist ziemlich nährstoffarm. Auf offenen Flächen wird der Boden durch den Regen schnell weggeschwemmt. Die Wurzeln der Bäume geben der Sache etwas Halt.

Auf den zweiten Blick erscheinen diese Wälder aber seltsam. Die Pinienbäume sind hier eigentlich nicht heimisch. Zudem sind es Zuchtformen, die schnell und einförmig wachsen. Alle Bäume sehen unheimlich gleich aus. Ein Pinienwald sieht aus wie eines jener Maisfelder, die wir aus unseren Breiten kennen. Jede Pflanze gleich wie die andere. Exakt gleich hoch, exakt in Reihen gepflanzt. Tiere gibt es in diesen Wäldern nicht. Mit den Pinien können weder Vögel noch Insekten viel anfangen. Durch die dichte Bepflanzung sind die Wäldchen so dunkel, dass man schon wenige Meter vom Waldrand entfernt absolut nichts mehr sehen kann. Der Boden wird zwar durch die Wurzeln stabilisiert, letztlich laugen die Bäume aber die Erde zusätzlich aus. Wenn die Wälder gerodet werden, dann bleibt praktisch tote Erde zurück. Und da selbstverständlich mit schweren Maschinen gerodet wird, wird die Erde auch gleich noch zu festem Lehm verdichtet. Tote Wälder, trotz lebender Bäume.

Was für ein Kontrast bilden dazu die wenigen heimischen, ursprünglichen Wäldchen. Lichte Mischwälder mit Bäumen, die in Wind und Wetter je eine eigene, individuelle Form entwickeln konnten. Diese Bäume erzählen Geschichten, bieten Unterschlupf für Vögel und Schatten für die hiesigen Tiere. Wie so oft: Ökonomisch wertlos, aber ökologisch von maximalem Nutzen. So, wie es eben nur die Natur einrichten kann.

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