Zu Besuch bei Andrés D.C.

Im Habitat Sur haben wir Lina kennengelernt. Wir haben sie in Bogotá wieder getroffen und sie hat uns einen ganz besonderen Ort gezeigt.

Lina lebt in Bogotá und arbeitet an der hiesigen Universität. Sie war im Habita Sur bei Hervé und Adriana, um dort den Jungen und Mädchen aus der Nachbarschaft an vier Nachmittagen ausserhalb der regulären Schule Unterricht zu erteilen. MNG-Unterricht vom Feinsten, möchte ich anmerken. Nebst ihrer Lehrtätigkeit leitet Lina einen Lesezirkel mit älteren Damen und sie engagiert sich in Bogotá für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Eine spannende Frau also und wir freuten uns, sie in der Hauptstadt nochmals zu treffen.

Lina hat im Andrés D.C. einen Tisch für uns drei reserviert.

http://www.andrescarnederes.com/andres-dc

Noch denken wir uns nicht viel dabei. Wird wohl irgend ein gutes Grill-Lokal in einem der aktuell angesagten Stadtquartiere Bogotás sein. Stellt sich heraus: es ist DER place to be. Die „Originalausgabe“ dieses Restaurants liegt etwas ausserhalb der Hauptstadt, ist aber national bekannt. Klar, dass es da auch eine Filiale in Bogotá selbst braucht.

Was heisst Filiale. Der Betreiber – Andrés – hat gleich ein ganzes Haus gebaut. Vom Keller bis zum Dach ganz im Konzept des Restaurants. Und das hat es in sich. Gleich beim Eingang liegt eine Ausgabe von Dantes Inferno aufgeschlagen. Na, dann mal rein in die gute Stube.

Andrés D.C. ist ein Food- und Erlebnisparadies mit Dancefloor, diversen Nischen, Bar und Souveniershop. Es besteht aus vier Stockwerken: Infierno, Tierra, Purgatorio y Cielo (Hölle, Erde, Fegefeuer und Himmel). Ich glaube, wir sassen im Fegefeuer.

Es ist laut. Unser Gespräch mit Lina ruft sich am nächsten Morgen mit akuter Heiserkeit in Erinnerung. Im ganzen Lokal dröhnen südamerikanische Rhythmen. Die Leute gehen mit, singen, tanzen. Dazu gesellen sich im Minutentakt laute Ständchen.

Hat jemand Geburtstag, kommt ein Harlequin mit Kapelle vorbei und gratuliert. Mit viel Konfetti.
Feiert jemand Hochzeit, wird ein Ständchen vorgesungen und im Takt der Kapelle getanzt. Mit viel Konfetti.

Neben uns sitzt eine Hochzeitsgesellschaft und an den Nebentischen haben sehr viele Leute Geburtstag.

Bei all dem Trubel ist das Essen extrem gut. Die Menükarte ist ein 77-seitiges Buch. Jede Seite individuell gestaltet und üppig illustriert. Die Speisen werden in einer riesigen offenen Küche frisch zubereitet und kommen alle in einem speziellen Geschirr an den Tisch. Im Geschirrschrank muss es Tausende von Einzelstücken geben. In der Küche und im Lokal arbeiten zur Hauptschicht buchstäblich Hunderte von Leuten. Die Bedienung klappt hervorragend. Die Mitarbeiter bahnen sich geschickt ihren Weg durch die feiernden Massen. Und wie gesagt, das Essen schmeckt hervorragend.

Alles in allem ein sehr bunter Abend. Lina ist eine tolle Gesprächspartnerin und im Andrés D.C. gibt es wahrlich viel zu sehen und zu erleben. Auch wenn man nicht grad Geburtstag hat oder Hochzeit feiert.

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