Wüstens(tr)and

Wir waren dort, wo die Sand-Dünen direkt ins Meer übergehen.

Nachdem wir vor Jahren den (quasi) südlichsten Punkt des Kontinents erreicht hatten, war es Ehrensache, dass wir auch den nördlichsten Punkt Südamerikas aufsuchen. Punta Gallina.

Gestartet waren wir in Cartagena. Zuerst ging es mit dem Bus nach Santa Marta und von da noch ein wenig weiter. Wir hatten uns eine schöne Finca ausgesucht, wo wir es uns einige Tage einfach gut gehen liessen. Die Finca lag direkt am Meer und doch mitten im Dschungel. Üppige Vegetation, wohin das Auge blickt. Und ein echt schöner Sandstrand unter Palmen.

Nachdem wir uns ausgeruht haben, geht es frühmorgens los: mit dem Bus nach Palomino und weiter nach Riohacho. In der Morgensonne blitzen gar kurz die verschneiten Gipfel der Sierra Nevada auf. In Riohacha dann der Wechsel in den klimatisierten Landrover und weiter nach Norden. Vorbei an Salzminen, entlang einer endlos langen, schnurgeraden Eisenbahnlinie.

Draussen vor dem Fenster inzwischen eine völlig andere Landschaft. Karge Steppe. Ein paar Kakteen, ansonsten viel Steine und Sand. Unsere Reise hat noch keine vier Stunden gedauert und schon sind wir in der Wüste. Am Mittag kommen wir in Cabo de la Vela an, einem Ort, in dem es nun ausser Sand und Meer gar nix mehr zu sehen gab.

Die Sonne brennt senkrecht vom Himmel, wir haben 40°, ohne Schatten. Also gehen wir jetzt Schwimmen. Naja, zuerst besuchen wir noch einen Strand, wo man das Schwimmen tunlichst unterlassen sollte. Die starken Winde treiben die Wellen wild an die Küste, die Gischt spritzt meterhoch, geysirartig in die Luft.

Dann aber Abkühlung im azurblauen Wasser. Nach dem Baden dann einige Minuten in den Wind stellen und schon ist man trocken, sandgestrahlt und die Frisur ist im Eimer.

Am zweiten Tag gehts weiter. Noch mehr Sand, noch mehr Sonne, noch mehr Hitze. Aber auch heute gibts zur Belohnung ein Bad. Dieses Mal können wir von einer wunderschönen Sanddüne direkt ins Wasser rutschen.

Die zweite Übernachtung dann in einer Oase, wo es tatsächlich mitten in der Wüste mangrovenähnliche Büsche im Wasser hat. Wir beobachten Flamingos und lassen die Sonne am Strand untergehen

Der Dreitagestrip war toll. Es war eine geführte Tour, der Zugang zu la Guajira, dieser nördlichen Region ist bisher strickt beschränkt auf einige wenige Touranbieter. Das ist gut so, denn schon jetzt sind gewisse Probleme erkennbar.

Zunächst ist da der Abfall. Zwar wird in Kolumbien Abfall strickt getrennt und gesammelt. Hier oben aber landet leider alles einfach auf dem Boden. Beziehungsweise in den Kakteen rundherum, denn der Wind trägt ja alles grad fort. Es gibt hier schlichtweg kein Abfallkonzept. Man hat andere Sorgen.

Die Leute sind arm. Also wird gebettelt. Die Kinder spannen Seile über die Fahrspur und das Auto wird erst durchgelassen, wenn man sich den Durchlass mit einem Geschenk erkauft. Das ist herzig aber sinnlos. Die Kinder werden von klein auf zu Bettlern. Und selbst wenn man als Tourist etwas sinnvolles schenkt – zum Beispiel Wasser – dann landet die Flasche oder der Plastik… siehe oben.

Es gibt aber auch noch andere Probleme mit dem Tourismus. Klar ist es für uns bequem, wenn wir im klimatisierten Geländewagen an die schönen Strände chauffiert werden. Aber: Die Autos rasen halt einfach irgendwo durch die Wüste. Ist eine Fahrspur zu holprig – und das ist sie nach einigen wenigen Durchfahrten – wird eine neue Spur geschaffen. Die Spuren und Rinnen bleiben im kargen Wüstenboden ewig erhalten. Der fragile Boden mit seinen wenigen Nährstoffen ist für immer zerstört. Nicht gut.

Und dann die Energie- und Wasserversorgung. Wir Touristen wollen am Abend duschen und unsere Smartphones und Kameras laden. Ganz abgesehen davon, dass wir etwas essen wollen und unser Nachtessen gerne bei brennendem Licht geniessen. Wir wollen kalte Getränke. Cola, Bier. Das alles gibt es hier oben nicht und muss herangekarrt werden. Mit Autos und Benzin. Auch der Strom muss mit Generatoren und mit Benzin erzeugt werden. Gar nicht gut.

Leider fehlt es noch an Konzepten. Die Lodges geben sich Mühe, so ökologisch wie möglich zu haushalten. Die Generatoren laufen nur nachts, Wasser gibts nur am Abend und am Morgen. Bei der noch relativ geringen Menge an Touristen mag das alles noch verkraftbar sein. Wenn aber diese wirklich wunderschönen Spots bekannt werden und der Tourismus zunimmt, dann braucht es Lösungen.

Wir hoffen, dass la Guajira hier die Kurve kriegt. Es wäre schade um diese einzigartige Region.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen