Am Ende der Welt

Wir haben es geschafft: wir sind in Ushuaia angekommen. Die Stadt, die sich gerne „das Ende der Welt“ nennt. Naja, so genau stimmt das natürlich nicht, denn einige Kilometer weiter südlich hat’s nochmals ein kleines Örtchen. Und dann hat’s auf der chilenischen Seite noch ganz viele kleine Siedlungen und bewohnte Inseln, aber da nehmen es die Argentinier halt nicht so genau.

Die Chilenen und die Argentinier sind sich in dieser Gegend politisch nicht ganz so wohlgesinnt. Denn eigentlich machen sich die Argentinos hier auf chilenischem Land ganz schön breit. Frech haben sie hier ein grosses Stück von Feuerland an sich genommen und einfach mal diese Stadt namens Ushuaia gegründet. Der Staat zahlt kräftig Subventionen, damit Leute und Unternehmen sich niederlassen. Man will Präsenz markieren, obwohl Ushuaia auf dem Landweg nicht mal direkt von Argentinien her erreichbar ist. Der Weg führt immer über Chile.

Dennoch: der Plan funktioniert. Ushuaia blüht und wächst ständig. Ziemlich unkontrolliert werden hier Häuser aufgezogen, Wald gerodet und man hat den starken Eindruck, dass es die Technik der Raumplanung noch nicht so recht bis hierhin geschafft hat. Das Ganze fühlt sich ein wenig an wie Wilder Westen, bzw. eben Wilder Süden. Dazu passt, dass die ganze Stadt mit ihrem Hafen eine Zollfreihandelszone ist. Diverse DutyFree-Shops laden zum Einkaufen ein. Billiger ist es deswegen nicht, denn wo so viele Touristen sind, da kann man auch ordentlich Geld verlangen.

Das Gezänk mit Chile kommt nicht von ungefähr. Ganz in der Nähe zankt man sich ja auch noch mit Grossbritannien um die Falklandinseln. Der Grund liegt auf der Hand: Der Zugang zur Antarktis. Schon jetzt ist Ushuaia DER wichtigste Hafen, um in die Antarktis zu gelangen. Sowohl für Touristen wie auch für den Frachtverkehr. Und falls irgendwann der Antarktis-Vertrag mal nicht verlängert wird und die Gegend da unten an Staaten verteilt wird, dann wollen hier alle ein Stückchen abhaben. Schliesslich winken unter dem Eis Rohstoffe in Hülle und Fülle. Hoffen wir, dass der Antarktis-Vertrag nie aufgekündigt wird, denn darin ist für den Moment geregelt, dass der südlichste Teil unserer Erde niemandem gehört und auch von niemandem ausgebeutet werden darf.

Item: hier in Ushuaia spürt man Feuerland pur. Es weht ein beständiger kalter Wind.  Mit Wind ist dabei eher Sturm gemeint, der einem unverhofft ziemlich aus dem Tritt bringen kann. In einer Minute scheint die Sonne, dann fällt bereits wieder Schnee. Das typische Klima für den Süden Feuerlands. Im Norden der Tierra del Fuego ist es wesentlich trockener, der Wind hat sich da an den südlichen Ausläufern der Anden bereits ausgeregnet und so weht er im Norden zwar ebenso stark, aber auch wärmer. Wir haben gestern die Gegend von Norden her durchfahren, eine etwas einsame Angelegenheit, denn ausser viel Gras gibt es wenig zu sehen. Ganz im Süden hat’s dann eben nochmals ein paar Berge und dann landet man unverhofft hier am Beagle-Kanal, wo der südamerikanische Kontinent jäh endet.

Wir haben damit den südlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab morgen fahren wir wieder nordwärts. In den letzten 5 Wochen haben wir 5530 km zurückgelegt. Die müssen wir jetzt innert 2 Wochen wieder zurück. Naja, ganz so viele Schlaufen wie auf dem Hinweg machen wir natürlich nicht. Trotzdem brauchen wir gute 6 Tage, um wieder nach Puerto Aysen zu gelangen. Dort nehmen wir dann die Fähre und fahren rüber nach Quellón. Danach sind es dann nochmals rund 4 Tage, bis wir wieder in Puerto Montt am Ende bzw. Anfang unserer Autoreise stehen.

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