Der erste Tag

Es ist unser erster Tag auf den Kapverden. Wir sind spätabends in Praia angekommen, der Hauptstadt der grössten Insel Santiago. Wir wurden am Flughafen von Guy abgeholt, der mit seiner Frau eine kleine Pension in einem Aussenquartier von Praia führt. Sie ist das ganze Jahr hier, er hat noch einen Job in Frankreich und ist pro Jahr 3-4 mal für längere Zeit in Praia.

Wir sind die einzigen Gäste, die Hochsaison beginnt erst im Oktober. Die Beiden machen uns mit der Gegend vertraut und wir erkunden die grösste Stadt der Inseln. Das Zentrum von Praia liegt auf einem Felsplateau und besteht nur aus ein paar Häuserzeilen. Die grösseren Quartiere liegen am Fuss des Plateaus und ziehen sich an den Hängen der umliegenden Hügeln hoch.

Die Stadt ist nicht wirklich schön. Das Zentrum hat seine besten Tage längst hinter sich, wurde aber in den letzten Jahren wieder aufgepäppelt. Die Aussenquartiere bestehen aus Fertigen und unfertigen Betonhäusern, dazwischen viele Baracken und Behausungen.

Wir sind in einer afrikanischen Grossstadt. Man riecht es, man hört es, man sieht es. Viel Abfall. Viele streunende Hunde. Schlechte Hygiene, stinkende Autos. Der Markt eher gewöhnungsbedürftig für unsere Verhältnisse. Es ist stickig, es ist heiss, es strengt an.

Aber man sieht, hört und riecht auch ganz anderes. Kinder lachen, Frauen treffen sich zu einem Schwatz. Männer ebenso. Viele schöne Menschen, einfach, aber schön gekleidet. Der Verkehr läuft quirlig, aber eigentlich entspannt. Auf den Grills am Strassenrand duftet es nach gebratenem Fisch und Fleisch. Frauen balancieren Kisten auf dem Kopf und verkaufen Früchte, Kleider oder Schmuck. In den Bars und Cafés herrscht Betrieb, das Leben rollt und wird laufend am Handy oder Smartphone organisiert.

Wir sind Touristen. Wir fallen natürlich auf. Weiss unter Schwarz. Aber niemanden kümmert das gross. Die Leute nehmen von uns nur wenig Notiz. Sie grüssen uns freundlich und wir grüssen zurück. Und wenn wir wollen, dann steht einem Schwatz nichts im Wege – ausser vielleicht der Sprachbarriere. Wir englisch, sie kreolisch, man trifft sich mit ein paar spanischen oder portugiesischen Brocken und viel Lachen.

Wir fühlen uns frei und wohl, auch wenn der erste Tag immer anstrengend ist.

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