Pura Vida

Nun sind wir in Leticia, im südlichsten Süden von Kolumbien. Mitten im Dschungel. Pures Leben.

(Achtung Funkloch: Da es im Dschungel kein Internet gibt, wurde dieser Beitrag offline geschrieben. Die Gedanken sind drum schon ein paar Tage alt)

Wer in einem Atlas nachschaut, wo Leticia liegt, der wird dessen spezielle Lage schnell erkennen. Leticia ist Kolumbiens Zugang zum Amazonas. Es liegt im Dreiländereck Kolumbien – Peru – Brasilien und man fragt sich, wie dieser buchstäbliche Landstrich hier noch zu Kolumbien gehören kann. Ursprünglich gehörte dieses Gebiet hier zu Brasilien. Dann gab es Streitereien und irgendwie setzte Kolumbien seinen Anspruch an Leticia durch. Um ihn quasi gleich wieder abzugeben.

Denn für eine lange Zeit war die Kontrolle dieses Landesteils ganz in der Hand des Drogenhandels und der Rebellen. Eine Westernstadt ganz im Süden Kolumbiens. Tief im Dschungel. Bis die kolumbianische Armee einschritt und Leticia wieder zu einem Ort machte, in dem alle willkommen sind. Auch Touristen. Heute rühmt sich Leticia damit, die zweitsauberste Stadt Kolumbiens zu sein. Gleich bei der Anreise am Flughafen zahlt man als Zugereister auch seinen Anteil: 30’000 kolumbianische Peso, also umgerechnet etwa 10 Franken. So klar die Abgabe dieses „freiwilligen“ Beitrags geregelt ist, so unklar ist, wohin das Geld fliesst. Aber das ist ja auch bei den Steuern in unseren Breitengraden nicht immer so klar :-)

Da unser Abflug aufgrund des Wetters in Bogota (oder war es wegen des Nationalfeiertags?) immer wieder verschoben wurde, kommen wir erst in der Dunkelheit in Leticia an. Dann der übliche Clinch mit dem Taxifahrer, der uns natürlich zu einem höheren Preis chauffieren will als normal (Wegen des Nationalfeiertags). Wir sind müde und wollen in unsere Unterkunft. Ausserdem steht nur das eine Taxi da. Taxifahrer 1, Touristen 0.

Wir kommen gut an, begrüssen Hervé, unseren Gastgeber und seine Crew, inklusive dreier sehr lieber Hunde, die zu jenem Zeitpunkt aber noch etwas misstrauisch sind und gleich mal unsere Koffer markieren. Nachdem das erledigt ist, ist die Welt wieder in Ordnung und wir können schlafen gehen.

Am nächsten Morgen wachen wir dann mitten im Dschungel auf. In der Dunkelheit konnten wir unsere Umgebung nicht so gut erkennen. Aber jetzt, im Morgenlicht, sehen, riechen und hören wir den Dschungel. Rund um uns herum ist es grün. Oben der blaue, fast wolkenlose Himmel. Die Luft ist feucht, es ist warm und es riecht nach Erde, Pflanzen und Wasser. Es quakt, es zwitschert, es röhrt, es zirpt um uns herum. Der Soundtrack des Dschungels.

Die ersten Tage gehen wir es ruhig an. Wir wollen uns einleben, aklimatisieren und uns ausruhen. Sind ja schliesslich auch Ferien. Wir geniessen das Leben in unserer Lodge. Einfache Hütten und Unterstände. Aber: gebaut von einem Schweizer und somit sehr funktional und zweckmässig eingerichtet ;-) Es fehlt an nichts, aber natürlich ist das hier kein Fünfsterne-Resort. Wir essen zusammen an einem grossen Tisch. Es gibt viel Reis, Mais, Gemüse und Früchte.

Fleisch gibt es keins. Hervé führt seine Lodge streng nach ökologischen Grundsätzen und somit haben Kühe hier nichts verloren. Sie machen den Boden kaputt und brauchen schlichtweg zuviel Platz – hier gibt’s ja keine saftigen Weiden wie bei uns. Mit dieser kargen Futterbasis braucht eine Kuh hier viel mehr Land als bei uns. Kühe gehören schlichtweg nicht an den Amazonas, auch wenn das im Nachbarstaat Brasilien anders gehandhabt wird. Da werden quadratkilometerweise Bäume gerodet, um Weideland zu schaffen. Natürlich illegal. Aber wenn der grösste brasilianische Fleischproduzent Brasiliens 40% seines Umsatzes mit diesem Raubbau macht, dann drücken offenbar sehr viele Leute beide Augen zu.

Also, kein Fleisch für uns, mindestens kein Kalbfleisch. Dafür Fisch. Die amazonische Küche besteht logischerweise hauptsächlich aus allem, was der Fluss und der Dschungel hergibt. Gleich am ersten Tag bekommen wir einen Eintopf mit Fisch und kleinen schwarzen Punkten: gebratenen Ameisen. Die geben Würze und Crunch. Und schmecken tatsächlich gut :-)

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